Wie kommt man zum Kunden auf die Couch?

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“Mobile Commerce” ist gar nicht so mobil. Der Großteil davon findet eher gemütlich auf der heimischen Couch statt. Aber langsam und von vorn:
Das im April 2013 veröffentlichte Zanox Mobile Perfomance Barometer 2012 zeigt wichtige Trends zur Nutzung von mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablet-PCs: Mit etwa 3,5% am gesamten deutschen eCommerce Umsatz ist der Anteil noch überschaubar, Wachstumsraten von mehr als 125% letzten Jahr zeigen aber eine klare Tendenz nach oben.
Das iPad führt dabei die Rangliste der zum EInkauf genutzen Geräte an – dabei zeichnen sich in einen Branchen wie Reisen oder bei Finanzdienstleistungen steigt auf dem Tablet sogar der Wert der durchschnittlichen Bestellung im Vergleich zu Kunden am Desktop-Browser an.

Wie geht’s auf die Couch?

Wachsender Markt mit mehr Bestellvolumen, prima. Aber wie kommt man dort hin? Zum Kunden auf’s Sofa?
Erste Erkenntnis: Nicht mit einer Lösung für Alle. Wer häufiger mit dem Smartphone “normale” Websites oder Shops besucht, kennt die Probleme. Buttons sind zu klein, Inhalte müssen gezoomt und gescrollt werden, Formulare lassen sich schlecht bis gar nicht ausfüllen und lahm ist es auch meist. Macht keinen Spaß und bringt wenig bis keine Konversion von mobilen Besuchern.
Zweite Erkenntnis: Boardmittel helfen meist nicht. Mobile ist bei einigen Systemherstellern noch nicht wirklich angekommen. Die Ausgabemöglichkeiten der Software sind stark auf einen Kanal fokussiert und das ist der Browser für den Desktop. “Responsive Design” oder besser adaptives Layout wurde daher schnell zum Notnagel. Diese Technologie auf Basis von CSS erlaubt in Abhängigkeit von der Bildschirmgröße und Ausrichtung des Geräts, mit dem der Besucher unterwegs ist, eine angepasste Dartstellung. Dazu werden vorhandene Layoutelemte neu angeordnet oder sklaiert. Beispiel gefällig? Ziehen sie ihr Browserfenster langsam schmaler – auch unser eigens Layout ist adaptiv für Tablets und Smartphones angelegt.
Aktuell unterstützen aber erst wenige Systeme diese Technologie direkt. Meist beschränkt sich die Integration auf die Anzeige innerhalb der verwendeten Templates. Möchte man im Rahmen der alltäglichen Arbeit am System im Backend Einstellungen pflegen, oder Inhalte wie Bilder und Videos editieren, ist in vielen Fällen noch der Umweg über das Webdesign oder sogar die Entwicklung notwendig, da die Anpassungslogik im CSS-Code steckt. Ein Prozess, den viele Unternehmen schon schlanker und effizienter gemacht hatten. Sollen komplexere Funktionen wie z.B. Promotioncodes je nach Ausgabekanal – also Desktop oder mobil – unterschiedlich gehandhabt werden, hilft adaptive Technologie nur begrenzt weiter.
Lösungen im Highend-Segment wie das Shopsystem Intershop 7 (z.B. Runnerspoint.de) sind mit der Integration schon deutlich weiter und bieten die Möglichkeit, den mobilen Kanal direkt aus dem Backend heraus zu verwalten und zu pflegen, also echte Multichannel-Funktionalität.
Dritte Erkenntnis: Auch eine native App ist nicht die Lösung.
Bleibt der Weg einer nativen App, also einer eigenen Anwendung, die direkt auf Android, iOS oder Windows Mobile ausgeführt wird, ohne das ein Webbrowser dazwischen läuft. Mit der App steht dem Anbieter die volle Kontrolle über das Layout zur Verfügung, die Hardware des Smartphones oder Tablets kann angesprochen werden, um Kamera oder GPS zu verwenden. Klingt doch wie die Lösung, oder? Entwicklung einer App, Anbindung an den Shop und nicht zuletzt die Verteilung über die Stores von Apple oder Google machen das Thema schnell so komplex, dass Projekte teuer und aufwendig werden. Vom notwendigen Konzept, um eine Anwendung so attraktiv zu machen, dass potentielle Kunden sie auf’s eigene Gerät laden, ganz zu schweigen.

Nehmen Sie Platz, Rettung naht.

Wer schon mal eine Kalkulation oder Schätzung zur Umstellung auf adaptives Design, die Entwicklung einer eigenen App oder gleich den Umstieg auf eine Enterprise-Lösung gesehen hat, dem wird die markige Aussage auf der Website der CouchCommerce wie ein schlechter Scherz vorkommen: “CouchCommerce wandelt Onlineshops innerhalb von 30 Minuten in Apps!” Bevor man jetzt ob so dreister Übertreibung kopfschüttelnd die Seite wieder verlässt, lohnt sich ein zweiter Blick durchaus.
Also mal langsam und von vorn: “Apps” bedeutet im Kontext von CouchCommerce Web-App, also nicht die native Anwendung für die mobile Plattform, sondern eine Applikation, die im Browser ausgeführt wird. Wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu adaptiven Ansätzen ist dabei die Unterstützung der Gestensteuerung. Die Bedienung ist damit natürlicher, näher am gewohnten Umgang mit dem Gerät.
Aber wie kommen die Inhalte aus dem eigenen Shop in diese Webanwendung? Wie können Kategorien, Produkte, Preise und – nicht ganz unwichtig – die Bestellungen zwischen Shop und CouchCommerce ausgetauscht werden? CouchCommerce liefert dazu ein PlugIn, dass aktuell Systeme von Shopware, Magento und xtCommerce ab 3.x zur Verfügung steht. Weiter Systeme wie Oxid, Presta und Shopify sind für 2013 angekündigt.
Ist das PlugIn installiert, liest es Produktinformationen aus und hebt diese in vorgefertigte Templates. Je nach Paket, dass auf monatlicher Basis abgerechnet wird, besteht die Option, diese Templates auch selbst zu gestalten. Eine einfache Modifikation von Logo, Farben und Hintergründen ist aber auch in den kleinsten Paketen ab 19,- Euro im Monat bereits vorgesehen.
Die Pakete untersheiden sich nach Anzahl der Produkte, die angeboten werden, den Zahlungsarten (PayPal ist immer verfügbar) sowie der Vorbereitung für Trusted Shops Zertifizierung.
Der so aufgbaute mobile Shop ist nach der Einrichtung über eine eigene Domain erreichbar, das Hosting ist Bestandteil des Pakets. Durch die eigene Adresse können auch Links innerhalb der mobilen Lösung verwendet werden, also z.B. für direkten Zugriff auf Produkte aus einem Newsletter heraus.

 Screenshot einer der Referenzen der CouchCommerce GmbH


Screenshot einer der Referenzen der CouchCommerce GmbH

Wir haben CouchCommerce als Demoversion über einen Shopware Integration ausprobiert. Die 30 Minuten-Marke konnten wir recht locker einhalten, der Umgang mit PlugIns und deren Einrichtung im Shopsystem sollte dazu allerdings bekannt sein.
Beim Aufruf der Beispielshops fällt auf, dass die Ladezeiten angenehm kurz sind. Man merkt, dass viel Ballast weggefallen ist, für den geplanten Einsatz auch nicht notwendig ist. Die einfachen, aber funktionalen Templates lassen sich flüssig und intuitiv bedienen, das gilt für Smartphones ebenso wie Tablets. Auf dem Tablet fällt die sehr einfache Struktur der Standardtemplates zwar auf, die Möglichkeit mit Gesten zu steuern macht das aber erst mal wett.

Fazit

Mobile Geräte zu ignorieren erinnert ein wenig an den Versandhandel, der teilweise zu zögerlich auf das Internet reagiert hat. Wer dem Schicksal entgehen möchte, der bekommt mit CouchCommerce eine wirklich schnell und unkompliziert nutzbare Alternative. Die Kosten für Einstieg und Betrieb sind mehr als überschaubar, dank fixen Beträgen bleiben sie gut kalkulierbar.
Aber es gibt auch Einschränkungen, die man beachten sollte. So werden im Standard Kundenkonten nicht eingebunden, der Besucher hat also keinen Zugriff auf seine Bestellhistorie oder Wunschlisten. Eine Integration von Promotions (Gutscheine, Rabatte, portofreie Lieferung) ist aktuell nur über die PayPal-Zahlung verfügbar.
Aber auch mit diesen Einschränkungen ist die Lösung die schnellste Option, Erfahrungen im wachsenden mobilen Markt zu sammeln. Ohne Entwickler, ohne Designer und in tatsächlich weniger als 30 Minuten.
Wer Mobile testen will, noch keine Erfahrungswerte gesammelt hat und keinen strategischen Schwerpunkt auf Mobile gelegt hat, findet eine schnelle und handwerklich saubere Lösung, die einen Einstieg in einer Einfachheit erlaubt, die uns in dieser Form sonst nicht bekannt ist.

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