Mythos „Katalog auf Knopfdruck“ – Database-Publishing

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Katalog-auf-Knopfdruck

“Mythen erheben einen Anspruch auf Geltung für die von ihnen behauptete Wahrheit.” Sagt zumindest Wikipedia.de zum Begriff “Mythos”.

Das gilt auch für die Anbieter von Database-Publsihing Lösungen. Sie erheben Anspruch darauf, dass ihr Produkt einen Katalog auf Knopfdruck erzeugen kann. Und bei den meisten ist das nicht mal gelogen. Im Verkaufsgespräch lautet die Antwort auf die Frage: “Kann man unseren Katalog wirklich automatisieren?” dann im Normalfall auch “Ja”. Die vorsichtigere Version vielleicht “Ja, sofern Ihre Datenquelle das hergibt”. Die letzte Antwort ist zwar ehrlicher, verwirrt Kunden aber schnell. Datenquelle? Stimmt, hätte man beim Begriff “Database-Publishing” irgendwie schon vermuten können.
Modernere Begriffe wie “Dynamic-Publishing” entschärfen den Umstand, dass Daten im Spiel sind ein wenig – Vereinfachung durch Weglassen – kommen aber ohne doch nicht aus.

Woher kommen die Daten?

Und da sind wir schon beim ersten Problem des automatisierten Katalogs: Aus welchem System kommen die Informationen? Seltsame Frage. Steht doch alles im Katalog. Also müssen sie doch auch verfügbar sein. Naheliegender Gedanke, besonders wenn man mit der Katalogproduktion im wahren Leben wenig zu tun hat. Wer näher an der Erstellung dran ist, ahnt schon, dass der Spass hier ein Loch hat. Denn: Das ERP hat oft nicht mehr als eine Artikelnummer, einen Preis und eine Kurzbeschreibung zu bieten. Excel zählt auch nur bedingt. Und InDesign oder Xpress gar nicht. Denn diese Formate geben die darin abgelegten Bausteine nur sehr schwer wieder her. Genau, richtig gehört: In vielen Unternehmen sind DTP-Dokumente der Speicherort für die aktuellsten Produktinformationen. Und die liegen dann nicht selten in der Agentur, nicht mal im Unternehmen selbst.
Halten wir also fest: Keine Datenquelle, kein Database-Publishing.
An diesem Punkt im Projekt ist dann entweder Schluss, oder es beginnt eine lange, sechs bis zwölf Monate dauernde Schleife, in der nach einem PIM-System gesucht wird. Das kann für alle Beteiligten durchaus frustrierend werden. Der Database-Publishing Anbieter muss das mögliche Geschäft erst mal weit nach hinten verschieben. Das Marketing, dem doch eigentlich nur an der Beschleunigung und Effizienzsteigerung beim Katalog-Publishing gelegen war, muss weiter mit der Hand am Arm produzieren.
Und auch für den neu dazu geholten PIM-Anbieter ist die Situation nicht so klasse, wie man zunächst glauben könnte. Denn auch wenn ihm jetzt ein mögliches Neugeschäft zugetragen wird, hat der potentielle Kunde dafür weder Zeit noch Budget geplant.

Schnelltest: „Database“ für das Database-Publishing vorhanden?

Sollten Sie also mit dem Gedanken spielen, ihren Katalog automatisch setzen zu wollen, machen Sie einen ganz einfachen Test. Dieser spart ihnen und einer Menge anderer Menschen viel Zeit und Energie.
Nehmen Sie ihren letzten Katalog in die Hand und schlagen Sie eine Produktseite auf. Nehmen Sie zwei Textmarker mit möglichst unterschiedlichen Farben zur Hand, vielleicht grün und rot. Jetzt machen Sie um alle Informationsbausteine, die sich auf der Seite befinden eine grüne Markierung, wenn Sie sicher sind, dass ein System im Unternehmen diese Artikelnummer, das Produktbild, die Logos und Labels, oder die Produktbeschreibung enthält. Wir können erst mal ignorieren, ob wir an diese Information auch heran kommen, es reicht erst mal die Sicht darauf, ob sie überhaupt vorhanden ist. Wie oben schon erwähnt: Excel zählt nicht. Sollten Sie kein System (oder nur Excel) finden, dann machen Sie eine rote Markierung.
Die Auswertung ist denkbar einfach: Wenn nicht alles grün ist, können Sie nicht automatisch produzieren. Kein Katalog auf Knopfdruck.
Aber nicht verzweifeln, das ist kein Zustand, der nicht zu ändern wäre. Aber er sollte ihnen klar machen, wo Sie auf dem Weg zum automatisch generierten Katalog stehen: Weiter weg vom Wunschziel, als Sie glauben. Planen Sie also mehr Budget und mehr Zeit ein. Klingt trivial, ist aber einer der Hauptgründe, warum Database-Publishing Projekte scheitern.

Warum sieht der Katalog heute so aus, wie er aussieht?

Jetzt wird es wieder freundlicher: zwar kaum nutzbare Daten, aber ein Layout ist wenigstens da. (…)

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