Sven Henckel: Der Wandel im Publishing

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svenhenckelSven Henckel ist seit 2003 bei der Laudert GmbH + Co. KG. Als Leiter des Bereichs IT-Consulting und IT-Projektmanagement verfügt er über eine umfassende Marktübersicht in den Bereichen PIM, MAM und Print; als Verantwortlicher für die Beratung von Kunden und die Umsetzung von Projekten steht er in engem Kontakt mit den Kunden sowie den Medien-IT-Experten von Laudert. Sven Henckel setzte bereits für eine Vielzahl von Kunden erfolgreiche Projekte um. Dazu zählen unter anderem Toys“R“Us, Beate Uhse, REWE, Karstadt, Wal-Mart, Eddie Bauer und Charles Vögele. Von 2003 bis 2005 studierte Sven Henckel Medieninformatik an der FHDW Gütersloh. Darauf aufbauend schloss er 2011 seinen Master of Science in Information Technology an der University of Liverpool ab.

sellside-report.com: In den 90er-Jahren bestand die IT-Kompetenz vieler Mitarbeiter in Reprobetrieben noch im Starten von Photoshop oder XPress am Mac. Heute kommen aus den gleichen Unternehmen eigene Software-Produkte oder Services. Wie hat Laudert diese Unternehmensentwicklung geschafft?

Sven Henckel: Wir sind seit 1959 als Mediendienstleister für verschiedene kleine und große Unternehmen tätig. Der tiefere Einstieg in die IT-Welt wurde 1993 mit der Einstellung eines Diplom-Mathematikers eingeläutet.
Aufgrund der langjährigen Erfahrung war es schon damals naheliegend, das aufwändige Zusammenführen aller für das Marketing relevanten Produktinformationen IT-gestützt zu verwalten. Dennoch kann man es rückblickend auch als innovative Vision bezeichnen, dass wir schon damals mit einer produktorientierten Datenbank begonnen haben. Heute umfasst unser IT-Portfolio verschiedene Produkte und Dienstleistungen, hinter denen ein 60-köpfiges IT-Team steht.

sellside-report.com: Repro-Dienstleister oder IT-Systemhaus – wo steht Laudert heute?

Sven Henckel: Wir verwenden an dieser Stelle kein Oder, sondern verstehen uns ganz bewusst als Medienproduktions- und IT-Dienstleister. Gegenüber den reinen IT-Systemhäusern und den klassischen Repro-Dienstleistern sehen wir einen großen Mehrwert darin, die Expertise aus beiden Bereichen für unsere Kunden effizient miteinander zu verknüpfen.
Medienproduktionsprozesse können wir so umfassend betrachten und diese mit unserem Bildprozess- und IT-Wissen hinsichtlich Zeit, Kosten und Qualität optimieren.

sellside-report.com: Damit haben wir eine saubere Abgrenzung gegenüber Systemhäusern geschafft. Wie sieht es mit Agenturen aus? Sind die Grenzen hier nicht auch schwammiger geworden als zu Zeiten, in denen die Agentur gestaltet und der Reprobetrieb die Reinzeichnung gemacht hat?

Sven Henckel: Ja, die Grenzen sind sicher fließender und zum Teil auch nicht mehr klar zu ziehen. In erster Linie liegt dies an den immer kürzer und flexibler werdenden Produktionsrhythmen. Insbesondere bei der Produktion von Katalogen und Handelsprospekten bleibt nicht mehr ausreichend Zeit, erst zu gestalten und dann die technische Umsetzung zu realisieren. Aus diesem Grund werden großvolumige Printproduktionen heutzutage zu überwiegenden Teilen Software-gestützt, wenn nicht sogar vollautomatisiert erstellt. Diese IT-Expertise ist in den Kreativagenturen in aller Regel nicht zu finden.
Ein weiteres Beispiel sind Web2Print-Systeme, deren Vorteile immer mehr Kunden mit Vertriebsnetz für sich entdecken. Die Agentur liefert dabei nur noch die Dokumentenvorlagen, die Feinabstimmung übernehmen die Mitarbeiter und Partner des Kunden.
Dennoch halten wir Agenturen nicht für überflüssig. Hier werden oftmals sehr gute Kreativleistungen erbracht, die wiederum den eher prozessgetriebenen Dienstleistern fehlen.

sellside-report.com: Weblösungen wie CMS und E-Commerce sind Bestandteil Ihres Portfolios. Ist ein Unternehmen mit Wurzeln im Printbereich und Know-how in den „Neuen Medien“ in dieser Kombination die bessere Wahl für Multichannel?

Sven Henckel: Wir schaffen mit unserem Portfolio in erster Linie die Basis, um Multichannel-Kommunikation flexibel zu ermöglichen. Wir produzieren medienneutrale Inhalte – insb. Bilder und Produkttexte – und schaffen die Infrastruktur, um diesen in allen Kanälen zu kommunizieren. Dazu zählt natürlich auch die Produktkommunikation auf der Web-Präsenz oder im Online-Shop. CMS und E-Commerce sind also naheliegende Erweiterungen unseres Portfolios und viele Kunden schätzen die ganzheitliche Betreuung.

sellside-report.com: Wo entwickelt sich ein Unternehmen wie Laudert weiter hin? Was sind die Ziele und das eigene Selbstverständnis?

Sven Henckel: Wir verstehen uns heute als strategischer und operativer Partner für alle Facetten der Produktkommunikation. Wir stellen die auch als Content bezeichneten Inhalte effizient und in optimierter Qualität medienneutral her und schaffen die Infrastruktur, sie flexibel in den diversen Kommunikationskanälen einzusetzen. Welche Medien dabei zukünftig welche Bedeutung haben, neu hinzukommen oder vom Markt verschwinden, ist für uns dann letztlich gar nicht mehr von großer Bedeutung. Wir beobachten und stellen uns darauf ein – wie auch auf eine immer individueller werdende Kommunikation. Wir freuen uns, für viele Kunden als strategischer Partner gesetzt zu sein. In Innovationsprojekte sind wir als Dienstleister mit unserem F&E-Team oft schon frühzeitig eingebunden. Derartige Investitionen sind für uns natürlich zeit- und teilweise auch budgetintensiv. Doch sie stellen eine wichtige Säule für Innovationen und Wachstum dar.

sellside-report.com: Wenn Sie ein Problem nennen sollten, das viele Ihrer Kunden selbst nicht lösen können, Laudert aber schon, ohne dass man das sofort vermuten würde – welches wäre das?

Sven Henckel: Hier ist sicherlich nochmals das Thema Content-Produktion zu nennen. Wir haben in den vergangenen zwei Jahren einen extrem leistungsfähigen Prozess aufgebaut, unsere Teams vergrößert und in zusätzliche Studio-Fläche und -Equipment investiert. Unterstützt durch unsere eigene Software LaudertContentFlow® setzen wir in den Laudert-Studios mit 60 Mitarbeitern mittlerweile auf bis zu 24 Sets parallel großvolumige Produktbild-, 360°- und Bewegtbild-Produktionen inkl. SEO-Texterstellung um. Zusammen mit unseren Bild-Teams stellen wir so binnen weniger Stunden trendgerechte und visuell wie technisch optimierte Produktbilder zur Verfügung.

sellside-report.com: Einen Tag Einblick in ein deutsches Unternehmen. Welches wird es?

Sven Henckel: Da nehme ich einfach ein großes Versandhandelsunternehmen. Einen Tag lang auf der anderen Seite des Tisches sitzen und diverse Dienstleister einladen, um zu sehen, wie lange sie bei der Wahrheit bleiben, wenn ein Auftrag winkt. Das würde mir sicher Freude bereiten. 😉

sellside-report.com: Eine Million Euro Budget für ein Projekt, das nicht unbedingt mit dem Job zu tun haben muss. Was wird es?

Sven Henckel: Eine halbe Million würde ich in das TED Open Translation Project stecken. TED steht für Technology Entertainment und Design und bietet auf www.ted.com eine Fülle an inspirierenden Vorträgen verschiedener Persönlichkeiten. Ich kenne keine bessere Quelle als diese. Da die Vorträge jedoch fast ausschließlich in englischer Sprache gehalten werden, können nicht alle Menschen daran teilhaben. Aus diesem Grund wurde 2009 das TED Open Translation Project ins Leben gerufen. Freiwillige können hier die Abschriften der Videos in andere Sprachen übersetzen, so dass man diese beim Abspielen der Videos auswählen kann. Ich habe selbst einige Vorträge übersetzt und es macht großen Spaß, etwas Gutes zu tun.

Die zweite halbe Million würde ich für den Verein Deutsche Sprache einsetzen. Dieser setzt sich für die Förderung der deutschen Sprache ein. Dabei geht es vor allem um die Vermeidung von Denglisch. Das bedeutet nicht, dass englische Fremdwörter grundsätzlich abgelehnt werden. Sofern die englischen Begriffe eine Lücke im Deutschen füllen oder knackiger sind, ist ja alles gut. Aber wenn jemand „die notwendige Awareness schaffen“ möchte, ist das einfach nur albern. Zugegeben ist es gerade in unserer vor allem von IT und Marketing geprägten Branche eine besondere Herausforderung sich gegen unnötige Anglizismen zu wehren.

sellside-report.com: Ein freier Tag. Was ist der Plan für den Ausgleich zum Job?

Sven Henckel: Tagsüber ein Besuch im Zoo. Abends etwas Leckeres kochen. Dann einen guten Film im Kino ansehen und danach den Rest des Abends in einer schönen Bar oder einem belebten Biergarten ausklingen lassen.

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