Dietmar Rietsch: pimcore – vom PIM-System zu Multichannel

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dietmar.rietschDietmar Rietsch ist CEO der pimcore Gmbh und beschäftigt sich im operativen Geschäft mit den Themen Produktmanagement, Business Development und gemeinsam im Team mit der strategischen Kundenberatung. Bereits seit 2004 ist er Teilhaber und Teil des Executive Boards der elements Group, einer führenden Full-Service Digital-Agentur in Österreich – und der Unternehmensmutter von pimcore. Als mehrfacher Staatspreisträger für Multimedia und E-Commerce setzt er sich seit 1996 täglich mit den Themen der digitalen Vertriebs- und Marketingkanäle erfolgreich auseinander.

sellside-report.com: Für alle, die Sie und ihr Produkt noch nicht kennen, was ist pimcore?

Dietmar Rietsch: Pimcore ist eine integrierte Open-Source Software-Plattform für das Management von beliebigen digitalen Daten und integriert die Themen Content-Management (CMS), Product Information Management (PIM), Digital Asset Management (DAM) und E-Commerce in einer Suite.

sellside-report.com: Auch wenn PIM einen Teil des Namens ausmacht, ist pimcore mittlerweile sehr viel mehr als „nur“ ein PIM-System. Neben den oben genannten Komponenten sind auch noch Personalisierung, Kampagnenmanagement und Reporting dazu gekommen. Für welche Kunden sehen Sie Bedarf für eine so umfassende Lösung?

Dietmar Rietsch: Die generelle Entwicklung des Webs hin zu einem der wesentlichsten Marketing-Instrumente und B2C-/B2B-Vertriebskanäle führt ganz klar vor Augen, dass die genannten Themen alle miteinander eng in Verbindung stehen und für einen erfolgreichen Einsatz auch stark verzahnt gehören. Schließlich ist PIM, DAM & Co. ein Mittel zum Zweck – um eben erfolgreich in den neuen digitalen Kanälen präsent zu sein.

Und gerade in diesen Zeiten, wo es immer mehr um Big Data, Personalisierung, Targeting und Conversions geht, gehört das klassische und ein wenig verstaubte Thema PIM hinter dem Vorhang ins Frontend geholt. Denn was kann es besseres geben, als dass klassische MDM-Prozesse durch wirkliche Feedbacks und Live-Informationen aus dem Frontend zum Leben erweckt werden.

Und schlussendlich geht es auch um Themen wie den „Time-to-Market“ und um homogenere IT-Infrastrukturen. Wenn man für ein klassisches E-Business-Szenario zig verschiedenste Komponenten und Applikationen benötigt, die wiederum über zig Schnittstellen miteinander kommunizieren müssen, dann kann man nachvollziehen, dass der Frust mit den etablierten Playern schon ganz enorm ist. Und das ist mit Sicherheit ein Grund, warum pimcore mittlerweile weltweit mehr als 80.000 Mal im Einsatz ist. Bei klassischen KMUs bis zu Unternehmen mit mehreren Milliarden Euro Umsatz.

Screenshot aus pimcore: PIM-System mit Übersetzungsprozess, wichtig für die Internationalisierung von Produktkommunikation

Screenshot aus pimcore: PIM-System mit Übersetzungsprozess, wichtig für die Internationalisierung von Produktkommunikation

sellside-report.com: Gerade was den Bereich eCommerce angeht, ist der größere Teil der Open Source verfügbaren Lösungen wie Magento, Shopware oder Oxid bisher eher auf das B2C-Geschäft ausgerichtet. Schaut man sich die Anwendungsbeispiele bei pimcore an, tauchen viele und auch sehr anspruchsvolle B2B-Szenarien auf. Zielt pimcore auf diesen Markt ab?

Dietmar Rietsch: Ja, auf jeden Fall. Die Umsetzung von sehr individuellen B2B-E-Business-Lösungen steht im Fokus von pimcore. Überall wo es darum geht (viele) komplexe Produkte zu verwalten, diese mittels Konfiguratoren, Findern und E-Commerce-Prozesse erlebbar zu machen ist pimcore sehr gut aufgehoben. Kundenspezifische Preise, Produkte mit tausenden Attributen und Check-Out-Prozesse abseits der Norm sind daher klassische Einsatzgebiete für unser Produkt.

B2B-E-Commerce ist einfach die Königsdisziplin, bei der den Alternativen oft die Luft ausgeht. Deren technologische Basis und auch die gesamte Architektur sind nicht auf diese Use-Cases ausgerichtet. Und da hilft leider auch kein magisches B2B-Plugin, um diese historischen Mankos zu kompensieren.

Screenshot aus pimcore: B2B eCommerce Beispiel mit Auswahl von Artikeln über technische Produktdarstellung

Screenshot aus pimcore: B2B eCommerce Beispiel mit Auswahl von Artikeln über technische Produktdarstellung

sellside-report.com: Was sind die Voraussetzungen, um mit pimcore arbeiten zu können? Machen die OpenSource-Lizensierung und das PHP-Framework Zend den Einstieg leichter, als in andere Enterprise-Lösungen?

Dietmar Rietsch: Ja, diese Aussage können wir nur unterstreichen. Wir selbst kommen historisch aus der „pre Oracle“ JAVA-Ecke und können noch ein Lied von Servlets und Beans singen. Java, .NET und Co. – oft zu finden in anderen Enterprise-Lösungen – sind ausgereifte Technologien. Ganz klar. Aber mittlerweile zählen Open-Source Script-Sprachen wie PHP, Python & Ruby zu den klaren Gewinnern, da diese oft die dominierenden Sprachen im professionellen Agenturumfeld sind.

Pimcore setzt auf dem führenden PHP-Entwicklungsframework, dem Zend-Framework auf. Und durch die ausgesprochen gute Dokumentation, die vielen Tutorials und eine hilfreiche und positive Community wird der Einstieg leichtgemacht. Den Rest erledigt eigentlich die Open-Source-Lizensierung von pimcore.

sellside-report.com: Auch pimcore verwendet den Begriff „Plattform“ für die Beschreibung der Lösung. Was bedeutet dieses Konzept für den Anwender?

Dietmar Rietsch: Zugegeben, pimcore bietet ganz schön viele integrierte Features. Es ist ein mächtiges Tool, mit dem beliebige E-Business-Applikationen rasch und effizient umgesetzt werden können. Insofern ist es eine Plattform für diesen Themenkomplex. Aber natürlich besteht auch die Möglichkeit pimcore rein für kleine Teilaspekte wie DAM, PIM oder als klassisches Web-CMS zu benutzen.

Für die konkreten Anwender gilt der KISS-Ansatz: Keep it simple and smart.

sellside-report.com: Open Source bedeutet nicht automatisch kostenlos – wie sieht das Geschäftsmodell von pimcore aus?

Dietmar Rietsch: Das Geschäftsmodell basiert auf der Bereitstellung von Professional Services, wie Implementierung, Consulting, Support und Training und einem kostenpflichtigen Partnerprogramm.

sellside-report.com: Partner spielen eine wichtige Rolle bei pimcore. Wie sieht dadurch ein Projekt für den Kunden aus und welche Rolle spielt pimcore dabei noch als Hersteller?

Dietmar Rietsch: Grundsätzlich kann jeder pimcore basierende Lösungen implementieren. Egal ob offizieller Partner oder nicht. Pimcore ist kostenlos und Open-Source und das wird auch immer so bleiben. Dennoch spielen natürlich Partner eine wesentliche Rolle für das pimcore Ecosystem. Pimcore Partner sind führende Agenturen, die sich zu pimcore offiziell committet und bereits viele hervorragende Cases haben. Es sind Agenturen, die sich mit pimcore einfach auskennen und daher auch die richtigen Ansprechpartner für Kundenprojekte sind. Die Pimcore GmbH selbst ist dabei nicht nur Hersteller sondern in vielen – gerade komplexeren Fällen – auch ein (Co-)Integrator. Je nach Fasson.

sellside-report.com: Was wäre die Traumherausforderung für pimcore? Also das Projekt mit den Aufgaben, die man immer schon lösen wollte?

Dietmar Rietsch: Da sind wir gerade dran. Aber im Ernst: Wir stehen vor einem großen Shift. Führende PIM- und DAM-Produkte werden der Reihe nach von großen internationalen und spanischen Playern aufgekauft. Und das merken wir. Die Verunsicherung ist groß und der Markt sucht nach alternativen Konzepten. Nicht mehr das klassische Produkt steht im Vordergrund, sondern eine Lösung um erfolgreich und effizient im Omni-Channel-Umfeld (dieses Wort musste jetzt einfach sein) bestehen zu können.

Insofern ist es unsere Traumaufgabe und auch Erfüllung, interessante Kunden auf Ihrem E-Business-Weg mit pimcore zu begleiten und zu unterstützen.

Ansonsten würden wir uns natürlich auf eine weitere Challenge aus dem Automotive-Segment freuen: Hallo Audi, Bosch, Daimler & Co. Übrigens: An Tecdoc wird bereits gearbeitet.

sellside-report.com: Ein Ausblick: Wo sehen Sie pimcore in den nächsten Jahren? Was sind die Ziele für die Lösung und das Unternehmen?

Dietmar Rietsch: Da gibt es natürlich einige Sichten. Aus Produkt-Sicht haben wir noch Einiges in petto. Viele Applikationen und Features davon existieren bereits, gehört aber noch in den Open-Source-Trunk inkludiert. Zum anderen stehen natürlich sehr spannende Themen auf unserer Roadmap. Der Produkt-Fokus bleibt aber natürlich bestehen: pimcore ist die weltweit führende Open-Source Plattform für Multi-Channel Experience und Engagement Management.

Aus Unternehmenssicht stehen die Professional Services und das Thema der Internationalisierung ganz klar im Fokus. So wird es bereits in nächster Zeit die ersten offiziellen und lokalen Länder- Niederlassungen geben. Es bleibt also äußerst spannend.

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